ADHS & Autismus diagnostizieren: Wege zur Diagnose | NÖ | MA-Art
DIAGNOSTIK · AD(H)S · AUTISMUS · KINDER & JUGENDLICHE
Wege zur Diagnose bei AD(H)S & Autismus
Wer diagnostiziert? Was wird untersucht? Wie können Eltern sich vorbereiten?
Wenn Eltern bei ihrem Kind AD(H)S, Autismus oder eine andere Form von Neurodivergenz vermuten, entstehen oft viele Fragen gleichzeitig: Wo beginnen wir? Wer ist zuständig? Welche Unterlagen brauchen wir? Und was passiert während einer diagnostischen Abklärung?
Eine gute Diagnostik betrachtet nicht nur einzelne Symptome, sondern Entwicklung, Alltag, Belastungen, Stärken und unterschiedliche Lebensbereiche. Auf dieser Seite finden Sie Orientierung zu möglichen diagnostischen Wegen und zur Vorbereitung.
Muss zuerst eine Diagnose feststehen?
Nein. Wenn ein Kind unter Ängsten, Überforderung, starken Gefühlen, Selbstwertproblemen, Konflikten oder anderen psychischen Belastungen leidet, kann psychotherapeutische Unterstützung bereits sinnvoll sein, während eine diagnostische Abklärung noch läuft oder auf einen Termin gewartet wird.
Eine Diagnose kann helfen, bestimmte Besonderheiten besser einzuordnen und passende Unterstützungen zu planen. Sie ersetzt aber nicht den Blick auf das einzelne Kind und seine aktuelle Situation.
Wer diagnostiziert AD(H)S oder Autismus bei Kindern?
Der diagnostische Weg hängt von Alter, Fragestellung, vorhandenen Befunden und dem jeweiligen Angebot der Untersuchungsstelle ab.
Kinder- & Jugendpsychiatrie
Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin sind wichtige Ansprechstellen für die diagnostische Abklärung psychischer und entwicklungsbezogener Fragestellungen wie AD(H)S oder Autismus.
Spezialisierte Ambulanzen & Entwicklungsstellen
Je nach Region kommen spezialisierte AD(H)S- oder Autismusambulanzen sowie sozialpädiatrische oder entwicklungsneurologische Ambulatorien infrage. Besonders bei komplexeren Entwicklungsfragen kann eine multidisziplinäre Abklärung sinnvoll sein.
Klinische Psychologie
Klinisch-psychologische Diagnostik kann Aufmerksamkeit, Entwicklung, Verhalten, emotionale Belastungen und weitere psychologische Fragestellungen mit standardisierten Verfahren untersuchen und ist häufig Bestandteil einer umfassenden Abklärung.
Auch Kinderärzt:innen können ein guter erster Wegweiser sein
Wenn noch völlig unklar ist, wohin Sie sich wenden sollen, kann auch die Kinderärztin bzw. der Kinderarzt zunächst Entwicklung, körperliche Faktoren und vorhandene Befunde einordnen und bei Bedarf an spezialisierte Stellen weiterleiten.
Wie wird AD(H)S abgeklärt?
Eine AD(H)S-Diagnostik besteht nicht aus einem einzelnen Konzentrationstest. Berücksichtigt werden unter anderem Entwicklung, Verhalten und Belastungen in verschiedenen Lebensbereichen.
Typischerweise gehören Gespräche mit Eltern und Kind bzw. Jugendlichen, medizinische Abklärung, Fragebögen und häufig eine ergänzende klinisch-psychologische Diagnostik dazu. Informationen aus Kindergarten oder Schule können ebenfalls wichtig sein.
Ebenso müssen andere mögliche Ursachen und zusätzliche psychische oder körperliche Erkrankungen berücksichtigt werden.
Wie wird Autismus abgeklärt?
Die Autismusdiagnostik ist häufig multidisziplinär. Neben einer ausführlichen Entwicklungsanamnese werden soziale Kommunikation, Verhalten, Interessen, sensorische Besonderheiten und der Entwicklungsstand betrachtet.
Je nach Fragestellung können standardisierte diagnostische Interviews und Beobachtungsverfahren, klinisch-psychologische Diagnostik sowie Untersuchungen von Sprache, Hören, Sehen oder neurologischen und entwicklungsbezogenen Faktoren sinnvoll sein.
Ziel ist nicht, ein einzelnes Verhalten zu bewerten, sondern ein möglichst stimmiges Gesamtbild der Entwicklung und des aktuellen Erlebens zu erhalten.
Wie läuft eine diagnostische Abklärung typischerweise ab?
Der genaue Ablauf unterscheidet sich zwischen den Stellen. Mehrere Termine sind bei komplexeren Fragestellungen normal.
Termin vereinbaren und klären, ob Überweisung, Vorbefunde oder Fragebögen vorab benötigt werden.
Entwicklung, frühe Kindheit, Alltag, Schule, Beziehungen, Stärken und aktuelle Belastungen werden besprochen.
Je nach Fragestellung können Eltern, Kind, Kindergarten oder Schule unterschiedliche Perspektiven beitragen.
Beobachtung, standardisierte Fragebögen, psychologische Tests oder weitere medizinische Untersuchungen werden passend zur Fragestellung ausgewählt.
Die Ergebnisse werden zusammengeführt und mit Eltern bzw. Jugendlichen besprochen.
Je nach Ergebnis können Unterstützung in Familie und Schule, Psychotherapie oder weitere medizinische bzw. therapeutische Maßnahmen empfohlen werden.
Eine Diagnose sollte Orientierung schaffen – nicht das Kind auf ein Etikett reduzieren
Eine fachlich gute Diagnose kann helfen zu verstehen, warum bestimmte Situationen besonders anstrengend sind, welche Unterstützung sinnvoll sein könnte und welche bisherigen Erklärungen vielleicht nicht passen.
Gleichzeitig bleibt ein Kind immer mehr als seine Diagnose. Persönlichkeit, Stärken, Beziehungen, Interessen und individuelle Bedürfnisse verschwinden nicht hinter einer diagnostischen Bezeichnung.
Welche Unterlagen sollten Eltern vorbereiten?
Nicht alles muss vorhanden sein. Nehmen Sie mit, was bereits existiert und für die Entwicklung des Kindes relevant sein könnte.
- bereits vorhandene ärztliche oder klinisch-psychologische Befunde
- frühere Entwicklungsdiagnostik oder Therapieberichte
- Informationen zu Schwangerschaft, Geburt und früher Entwicklung, soweit relevant und bekannt
- Kindergarten- oder Schulberichte, Förderpläne oder Beobachtungen
- Zeugnisse oder andere Unterlagen, wenn sie für die Fragestellung hilfreich sind
- aktuelle Medikamentenliste, falls vorhanden
- bereits ausgefüllte Fragebögen
- konkrete Beispiele für belastende Situationen im Alltag
- Beispiele für Stärken, Interessen und Situationen, in denen das Kind gut zurechtkommt
Konkrete Beispiele sind oft hilfreicher als allgemeine Begriffe
Statt nur „sehr unruhig“, „sozial schwierig“ oder „reizempfindlich“ zu notieren, helfen konkrete Situationen: Was geschieht? Wann? Wie häufig? In welchem Umfeld? Was ging unmittelbar voraus? Was hilft? So entsteht ein differenzierteres Bild des Kindes.
Wie kann ich mein Kind auf die Diagnostik vorbereiten?
Die Erklärung sollte zum Alter und Entwicklungsstand passen. Eine Diagnostik ist keine Prüfung, die bestanden werden muss.
Ehrlich und einfach erklären
Zum Beispiel: „Wir möchten gemeinsam herausfinden, was dir leichtfällt, was anstrengend ist und was dir helfen könnte.“
Keine richtige Rolle einüben
Das Kind muss weder besonders „gut funktionieren“ noch bestimmte Auffälligkeiten zeigen. Die diagnostische Stelle soll ein möglichst authentisches Bild bekommen.
Praktische Bedürfnisse mitteilen
Wenn das Kind beispielsweise besondere sensorische Bedürfnisse, Kommunikationsformen oder große Schwierigkeiten mit langen Wartezeiten hat, kann es sinnvoll sein, die Untersuchungsstelle vorher darüber zu informieren.
Warum Informationen aus Schule oder Kindergarten wichtig sein können
AD(H)S, Autismus und andere neurodivergente Besonderheiten können sich je nach Umgebung sehr unterschiedlich zeigen. Ein Kind kann beispielsweise in der Schule stark angepasst wirken und zuhause nach einem anstrengenden Tag deutlich überfordert sein.
Deshalb können Beobachtungen aus verschiedenen Lebensbereichen diagnostisch hilfreich sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Schule oder Kindergarten selbst eine medizinische oder psychologische Diagnose stellen.
„In der Schule ist nichts auffällig“ – und zuhause ist alles anders?
Unterschiedliche Beobachtungen müssen kein Widerspruch sein. Anforderungen, Reize, soziale Erwartungen und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, unterscheiden sich zwischen Schule, Zuhause und Freizeit erheblich.
Insbesondere starkes Anpassen oder Masking kann dazu führen, dass Belastungen während des Tages wenig sichtbar sind und sich erst später durch Erschöpfung, Rückzug oder intensive Überlastungsreaktionen zeigen.
Was können Familien während der Wartezeit tun?
Auf diagnostische Termine muss teilweise länger gewartet werden. Das bedeutet nicht, dass bis dahin überhaupt nichts verändert werden kann.
Psychotherapie
Wenn psychische Belastungen bestehen, können Überforderung, Ängste, Selbstwert, Emotionsregulation, Konflikte oder schwierige Alltagssituationen bereits psychotherapeutisch bearbeitet werden.
Familie & Alltag
Eltern können gemeinsam betrachten, welche Situationen besonders belastend sind und welche Veränderungen bei Struktur, Kommunikation, Reizniveau und Übergängen bereits hilfreich sein könnten.
Psychotherapeutische Gruppen
Eine formale Diagnose ist für die Aufnahme in die psychotherapeutischen Kinder- und Jugendgruppen von MA-Art® nicht grundsätzlich erforderlich. Entscheidend ist die individuelle Passung.
Die Diagnose ist da – und jetzt?
Ein schriftlicher Befund beantwortet nicht automatisch alle Fragen. Eltern müssen häufig erst verstehen, was die Ergebnisse für ihr konkretes Kind, Familie, Schule und Alltag bedeuten.
Hilfreiche Fragen können sein: Was erklärt die Diagnose? Was erklärt sie nicht? Welche Belastungen bestehen tatsächlich? Welche Unterstützung braucht mein Kind – und welche vielleicht gerade nicht?
Auch das Kind oder der Jugendliche sollte – passend zu Alter und Entwicklungsstand – verständlich und wertschätzend über die Ergebnisse informiert werden.
Schule & ausgleichende Maßnahmen
Je nach konkreter Beeinträchtigung kann ein Befund auch für die Planung schulischer Unterstützungsmaßnahmen relevant sein. Eine Diagnose führt allerdings nicht automatisch zu einer bestimmten Maßnahme.
Finanzielle Unterstützungen
Bei bestimmten Beeinträchtigungen können erhöhte Familienbeihilfe, Pflegegeld, Behindertenpass oder andere Unterstützungen infrage kommen. Auch hier entscheidet nicht allein die Diagnose, sondern die jeweilige gesetzliche Voraussetzung.
Diagnostik und Psychotherapie sind unterschiedliche Aufgaben
MA-Art® führt keine spezialisierte Autismus- oder AD(H)S-Diagnostik durch.
Im psychotherapeutischen oder psychosozialen Rahmen kann jedoch gemeinsam geklärt werden, welche Beobachtungen und Belastungen bestehen, ob eine diagnostische Abklärung sinnvoll erscheinen könnte und welche Art von Fachstelle dafür grundsätzlich infrage kommt.
Vorhandene Befunde können anschließend gemeinsam eingeordnet werden, soweit dies für Psychotherapie, Familie und Alltag relevant ist.
Methodenklarheit: Psychotherapie erfolgt im Rahmen der Systemischen Therapie / Systemischen Familientherapie. Kreative und nonverbale Zugänge können – wenn fachlich passend – innerhalb der Psychotherapie eingesetzt werden. Kunsttherapie als eigenständiges Angebot ist davon fachlich und organisatorisch getrennt.
FACHLICHE BEGLEITUNG
DI (FH) Miriam Auer, M.A.
Psychotherapeutin – Systemische Therapie / Systemische Familientherapie
Akademische Kunsttherapeutin · Psychosoziale Beraterin
Kompetenzpraxis für neurodivergenz- & traumasensible Psychotherapie
Schwerpunkte meiner Arbeit sind unter anderem Autismus, AD(H)S, Masking, Reizüberlastung, Selbstwert sowie Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und Familien.
Häufige Fragen zur Diagnostik
Brauche ich für eine AD(H)S- oder Autismusabklärung eine Überweisung?
Das hängt von der jeweiligen Untersuchungsstelle und dem gewählten Versorgungsweg ab. Vor der Anmeldung sollte direkt geklärt werden, ob eine ärztliche Überweisung oder bestimmte Vorbefunde erforderlich sind.
Kann ein einzelner Test AD(H)S oder Autismus beweisen?
Nein. Eine fachgerechte Diagnostik stützt sich auf mehrere Informationsquellen. Tests, Fragebögen und Beobachtungsverfahren sind Teile der Abklärung, ersetzen aber nicht Anamnese und fachliche Gesamtbeurteilung.
Wie lange dauert eine Diagnostik?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Je nach Fragestellung und Untersuchungsstelle können mehrere Termine notwendig sein. Zusätzlich können Wartezeiten auf einen ersten Termin entstehen.
Muss die Schule von einer laufenden Diagnostik erfahren?
Nicht automatisch. Ob und welche Informationen mit Schule oder Kindergarten geteilt werden, entscheiden die Obsorgeberechtigten im Rahmen der jeweiligen rechtlichen Voraussetzungen. Für manche diagnostischen Fragestellungen können Beobachtungen aus dem schulischen Alltag allerdings sehr hilfreich sein.
Was ist, wenn der Befund meine Beobachtungen nicht erklärt?
Diagnostische Ergebnisse sollten nachvollziehbar besprochen werden. Wenn wichtige Beobachtungen scheinbar nicht berücksichtigt wurden oder Fragen offenbleiben, ist es sinnvoll, diese im Rückmeldegespräch anzusprechen und gegebenenfalls weitere fachliche Abklärung zu überlegen.
Kann mein Kind schon vor einer Diagnose Psychotherapie bekommen?
Ja. Für Psychotherapie ist nicht eine Autismus- oder AD(H)S-Diagnose entscheidend, sondern ob eine psychische Belastung bzw. ein psychotherapeutisch relevantes Anliegen besteht und Psychotherapie dafür fachlich passend ist.
Braucht mein Kind für die psychotherapeutische Gruppe eine Diagnose?
Nein. Entscheidend sind die individuellen Bedürfnisse, die therapeutischen Ziele und die Passung zur jeweiligen Gruppe.
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Neurodivergenz, Diagnostik & Unterstützung
Fachliche Grundlage
Dieser Beitrag orientiert sich unter anderem an den aktuellen Informationen des österreichischen Gesundheitsportals zu AD(H)S, Autismus, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Klinischer Psychologie.
Stand: September 2026. Angebote, Zuständigkeiten, Zugangsvoraussetzungen und Wartezeiten einzelner Diagnostikstellen können sich ändern. Verbindliche Informationen erhalten Sie direkt bei der jeweiligen Untersuchungsstelle.
KOSTENFREIES ORIENTIERUNGSGESPRÄCH
Wenn noch unklar ist, welcher Weg sinnvoll sein könnte
In einem kostenfreien, unverbindlichen Orientierungsgespräch von etwa 20 Minuten können Sie kurz schildern, was Sie bei Ihrem Kind beobachten und welche Fragen Sie beschäftigen. Gemeinsam klären wir, ob ein Angebot der Praxis zu Ihrem Anliegen passt und ob eine weiterführende fachliche Abklärung sinnvoll erscheinen könnte.



