ADHS bei Kindern: verstehen & begleiten | Gänserndorf | MA-Art
AD(H)S · KINDER & JUGENDLICHE · FAMILIE
AD(H)S bei Kindern: verstehen & begleiten
Aufmerksamkeit verstehen. Regulation unterstützen. Selbstwert stärken.
Kinder mit AD(H)S erleben Aufmerksamkeit, Impulse, Aktivität, Motivation und emotionale Regulation häufig anders. Was von außen wie Unkonzentriertheit, Vergesslichkeit, Unruhe oder mangelnde Mitarbeit wirkt, kann im Alltag sehr unterschiedliche Ursachen und Bedeutungen haben.
Für Eltern stellt sich deshalb nicht nur die Frage: „Hat mein Kind AD(H)S?“ Ebenso wichtig ist: Was belastet mein Kind tatsächlich? Was gelingt bereits? Wo entstehen Schwierigkeiten – und welche Unterstützung kann helfen?
Was ist AD(H)S bei Kindern?
AD(H)S steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Im Vordergrund können Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeitssteuerung, Impulsivität und Aktivitätsregulation stehen. Nicht bei jedem Kind ist ausgeprägte motorische Unruhe sichtbar.
Auch Organisation, Zeitgefühl, Arbeitsgedächtnis, Motivation und emotionale Regulation können den Alltag beeinflussen.
Wie stark einzelne Merkmale ausgeprägt sind und welche Bereiche dadurch belastet werden, ist sehr unterschiedlich. Für eine fachliche Beurteilung ist deshalb immer das Gesamtbild aus Entwicklung, Alltag, Schule, Familie und persönlicher Belastung entscheidend.
„Es kann doch – warum macht es dann nicht?“
Gerade bei AD(H)S erleben Eltern häufig große Unterschiede: Eine Aufgabe gelingt an einem Tag problemlos und am nächsten scheinbar überhaupt nicht. Ein Kind kann sich stundenlang mit einem interessanten Thema beschäftigen, aber wenige Minuten Hausübung werden zur enormen Herausforderung.
Das wirkt widersprüchlich, ist aber ein wichtiger Hinweis darauf, dass Aufmerksamkeit und Selbststeuerung nicht einfach nur eine Frage von Wille oder Disziplin sind. Motivation, Reizniveau, Müdigkeit, Interesse, Stress und die konkrete Situation können einen erheblichen Unterschied machen.
Wie kann sich AD(H)S in verschiedenen Altersstufen zeigen?
Einzelne Merkmale bedeuten noch keine Diagnose. Entscheidend ist, wie dauerhaft und belastend sie auftreten und ob mehrere Lebensbereiche betroffen sind.
CA. 4–6 JAHRE
Kindergarten
- starke Impulsivität oder ausgeprägter Bewegungsdrang
- häufiger Wechsel zwischen Aktivitäten
- Schwierigkeiten bei Übergängen und beim Warten
- schnelle Frustration bei Anforderungen
- Konflikte in Gruppen
- starke emotionale Reaktionen
CA. 6–10 JAHRE
Volksschule
- Aufgaben werden begonnen, aber nicht beendet
- Hefte, Materialien oder Termine werden vergessen
- Hausübungen dauern unverhältnismäßig lange
- leichte Ablenkbarkeit und schnelle Reizüberlastung
- Dazwischenreden oder impulsive Reaktionen
- zunehmende Selbstwertprobleme durch häufige Kritik
CA. 10–14 JAHRE
Unterstufe
- Organisation wird mit mehreren Fächern schwieriger
- Zeitplanung und Beginn von Aufgaben fallen schwer
- emotionale Hochs und Tiefs
- Schlafrhythmus und Erholung können schwierig werden
- Konflikte und soziale Missverständnisse
- Selbstzweifel wie „Ich kann das sowieso nicht“
Wichtig: AD(H)S sieht nicht bei jedem Kind gleich aus. Manche Kinder wirken sehr aktiv und impulsiv, andere eher verträumt, langsam oder unauffällig. Besonders stille Schwierigkeiten können deshalb lange übersehen werden.
AD(H)S betrifft nicht nur Konzentration
Viele Familien erleben besonders die emotionale Seite als belastend: Gefühle können sehr schnell intensiv werden, Frustration schwer auszuhalten sein und kleine Auslöser scheinbar unverhältnismäßig große Reaktionen hervorrufen.
Das kann sich beispielsweise durch Wut, Rückzug, Weinen, starke Enttäuschung oder schnelle Eskalation zeigen.
Psychotherapeutisch kann es hilfreich sein, Frühzeichen besser wahrzunehmen, Gefühle einzuordnen und individuell passende Möglichkeiten zur Regulation zu entwickeln.
Wenn ein Kind immer wieder hört, was nicht funktioniert
„Pass besser auf.“ – „Vergiss nicht schon wieder alles.“ – „Du könntest es doch, wenn du dich mehr anstrengst.“
Kinder mit AD(H)S erleben häufig viele Korrekturen und Misserfolge. Wenn sie trotz großer Anstrengung wiederholt erleben, Erwartungen nicht zu erfüllen, kann das den Selbstwert erheblich belasten.
Ein wichtiger Teil psychotherapeutischer Begleitung kann deshalb sein, Stärken, Selbstwirksamkeit und ein realistischeres, weniger beschämendes Verständnis der eigenen Schwierigkeiten zu entwickeln.
AD(H)S & Autismus: Überschneidungen sind möglich
AD(H)S und Autismus können gemeinsam auftreten. Manche Erfahrungen können sich außerdem ähneln – beispielsweise Reizüberlastung, Schwierigkeiten bei Übergängen, intensive Interessen, emotionale Regulation oder soziale Missverständnisse.
Für Eltern ist deshalb nicht immer eindeutig, welches Merkmal welchem Thema zuzuordnen ist. Für die Unterstützung ist zunächst wichtiger zu verstehen, was das konkrete Kind belastet und welche Bedürfnisse dahinterstehen.
Was kann Kindern mit AD(H)S im Alltag helfen?
Nicht jede Strategie funktioniert für jedes Kind. Hilfreich ist, Anforderungen so zu gestalten, dass Selbststeuerung nicht ständig überfordert wird.
Checklisten, Wochenpläne, Timer und klare Reihenfolgen entlasten das Arbeitsgedächtnis.
Überschaubare Schritte mit erkennbarem Anfang und Ende sind oft leichter zu bewältigen.
Arbeitsplatz, Geräusche und andere Ablenkungen möglichst passend gestalten.
Bewegung kann Regulation unterstützen und muss nicht grundsätzlich als Störung betrachtet werden.
Ankündigungen und klare Übergangsrituale können abrupte Wechsel erleichtern.
Nicht nur Fehler korrigieren, sondern auch gelungene Schritte und Anstrengung wahrnehmen.
Wenn Hausübungen jeden Nachmittag zum Konflikt werden
Nach einem langen Schultag sind Aufmerksamkeit und Regulation oft bereits stark beansprucht. Eine eigentlich kurze Aufgabe kann dann unverhältnismäßig schwer erscheinen.
Hilfreich können klare Startzeiten, kurze Arbeitsblöcke, Pausen, ein übersichtlicher Arbeitsplatz und realistische Erwartungen sein. Wenn Hausübungen regelmäßig zu massiven Konflikten führen, lohnt es sich, nicht nur über Konsequenz, sondern über Belastung, Aufgabenstruktur und verfügbare Energie nachzudenken.
AD(H)S in der Schule
Schule stellt hohe Anforderungen an Aufmerksamkeit, Organisation, Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle, Zeitmanagement und soziale Anpassung. Schwierigkeiten werden deshalb dort häufig besonders sichtbar.
Je nach individueller Beeinträchtigung können Strukturierung, Arbeitsplatzgestaltung, klare Anweisungen, Pausen oder ausgleichende Maßnahmen relevant sein.
Nachteilsausgleich & ausgleichende Maßnahmen in der Schule →
Wenn Überforderung eskaliert
Reizüberlastung, Frustration, viele Anforderungen und anhaltende Selbstkontrolle können sich aufaddieren. Manche Kinder reagieren darauf mit intensiven Gefühlsausbrüchen, andere ziehen sich zurück oder brechen nach einem anstrengenden Tag zuhause zusammen.
DIAGNOSTIK
Wie wird AD(H)S bei Kindern abgeklärt?
Eine spezialisierte AD(H)S-Diagnostik wird in meiner Praxis nicht durchgeführt. Je nach Fragestellung kommen beispielsweise Kinder- und Jugendpsychiatrie, spezialisierte Ambulanzen und klinisch-psychologische Diagnostik infrage.
Eine fachgerechte Abklärung besteht nicht nur aus einem Konzentrationstest. Entwicklung, Alltag, Verhalten in unterschiedlichen Situationen, medizinische Aspekte und andere mögliche Erklärungen müssen berücksichtigt werden.
Informationen aus Familie und Schule können dabei wichtige unterschiedliche Perspektiven liefern.
Unterstützung muss nicht bis zur Diagnose warten
Wenn ein Kind unter Überforderung, Ängsten, Selbstwertproblemen, starken Gefühlen, Konflikten oder anderen psychischen Belastungen leidet, können diese Themen bereits betrachtet werden, während eine diagnostische Abklärung noch läuft.
Eine AD(H)S-Diagnose ist keine Voraussetzung dafür, psychische Belastung ernst zu nehmen.
Wann kann Psychotherapie bei AD(H)S hilfreich sein?
Psychotherapie behandelt nicht AD(H)S als neurobiologische Besonderheit „weg“. Sie kann dort unterstützen, wo psychische Belastungen entstehen oder zusätzliche Schwierigkeiten das Kind und die Familie beeinträchtigen.
Kinder- & Jugendpsychotherapie
Gefühle, Selbstwert, Stress, Regulation, Beziehungen und individuelle Strategien können psychotherapeutisch bearbeitet werden.
Familie & Eltern
Kommunikation, Routinen, Anforderungen und wiederkehrende Konfliktdynamiken können gemeinsam betrachtet werden.
Psychotherapeutische Gruppen
In kleinen Gruppen können Freundschaften, Konflikte, Zugehörigkeit, Gefühle und eigene Bedürfnisse unmittelbar erlebt und gemeinsam verstanden werden.
Wenn AD(H)S in der Jugend neue Fragen aufwirft
Mit zunehmendem Alter verändern sich Anforderungen. Selbstorganisation, Schule, Freundschaften, Beziehungen, Identität und zunehmende Selbstständigkeit können neue Herausforderungen mit sich bringen.
Gerade Jugendliche profitieren häufig davon, nicht nur über „besser funktionieren“ zu sprechen, sondern einen eigenen Umgang mit ihren Stärken, Grenzen und neurodivergenten Bedürfnissen zu entwickeln.
Ein neurodivergenz- und reizsensibler therapeutischer Rahmen
In der MA-Art® Praxis steht für die Arbeit mit neurodivergenten Kindern unter anderem ein schallreduzierter und dimmbarer Therapieraum zur Verfügung.
Struktur, Sprache, Materialien und therapeutischer Rahmen können nach Möglichkeit an individuelle sensorische, kommunikative und regulatorische Bedürfnisse angepasst werden. Kreative und nonverbale Ausdrucksmöglichkeiten können dort eingesetzt werden, wo Worte allein nicht ausreichen.
Methodenklarheit: Psychotherapie erfolgt im Rahmen der Systemischen Therapie / Systemischen Familientherapie. Kreative und nonverbale Zugänge können – wenn fachlich passend – innerhalb der Psychotherapie eingesetzt werden. Kunsttherapie als eigenständiges Angebot ist davon fachlich und organisatorisch getrennt.
MA-ART® KOMPETENZPRAXIS
DI (FH) Miriam Auer, M.A.
Psychotherapeutin – Systemische Therapie / Systemische Familientherapie
Akademische Kunsttherapeutin · Psychosoziale Beraterin
Schwerpunkte meiner Arbeit sind unter anderem Autismus, AD(H)S, Hochsensibilität, Hochbegabung, Masking, Reizüberlastung, Selbstwert sowie Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und Familien.
Häufige Fragen zu AD(H)S bei Kindern
Muss ein Kind mit AD(H)S immer hyperaktiv sein?
Nein. Nicht bei allen Kindern steht motorische Unruhe im Vordergrund. Manche Schwierigkeiten zeigen sich stärker bei Aufmerksamkeit, Organisation, Vergesslichkeit oder innerer Unruhe und können deshalb lange weniger auffallen.
Ist AD(H)S eine Folge falscher Erziehung?
Nein. Familiäre Rahmenbedingungen können den Alltag erleichtern oder erschweren, erklären aber AD(H)S nicht als Folge „schlechter Erziehung“. Eltern können dennoch viel dazu beitragen, Anforderungen und Umgebung für ihr Kind passend zu gestalten.
Braucht mein Kind bereits eine Diagnose für Psychotherapie?
Nein. Entscheidend ist, ob eine psychische Belastung bzw. ein psychotherapeutisch relevantes Anliegen besteht und Psychotherapie dafür fachlich passend ist.
Braucht mein Kind eine Diagnose für die psychotherapeutische Gruppe?
Nein. Entscheidend sind die therapeutischen Ziele, der Entwicklungsstand und die Passung zur jeweiligen Gruppe.
Behandelt Psychotherapie AD(H)S?
Psychotherapie soll AD(H)S nicht „wegtherapieren“. Sie kann bei psychischen Belastungen unterstützen, beispielsweise bei Ängsten, Selbstwertproblemen, starker Überforderung, Emotionsregulation, Konflikten oder belastenden Erfahrungen.
Was ist, wenn gleichzeitig Autismus vermutet wird?
AD(H)S und Autismus können gemeinsam auftreten. Eine fachliche Diagnostik kann helfen, Beobachtungen besser einzuordnen. Für die Unterstützung ist aber bereits vorher wichtig zu verstehen, welche konkreten Bedürfnisse und Belastungen bestehen.
Was ist mit Medikamenten?
Medikamentöse Behandlung wird ärztlich beurteilt und verordnet. Psychotherapie ersetzt diese ärztliche Entscheidung nicht. Je nach Situation können psychotherapeutische, pädagogische, psychosoziale und medizinische Maßnahmen unterschiedliche Aufgaben übernehmen und sich ergänzen.
WISSEN & ORIENTIERUNG
Weiterführende Informationen für Eltern
Psychotherapie bei AD(H)S in Weikendorf bei Gänserndorf
Die MA-Art® Praxis befindet sich in 2253 Weikendorf, Kirchensteig 1, unmittelbar bei Gänserndorf.
KOSTENFREIES ORIENTIERUNGSGESPRÄCH
Wenn noch unklar ist, welche Unterstützung sinnvoll sein könnte
In einem kostenfreien, unverbindlichen Orientierungsgespräch von etwa 20 Minuten können Sie kurz schildern, was Sie bei Ihrem Kind beobachten und was im Alltag belastet. Gemeinsam klären wir, ob und welches Angebot der Praxis zu Ihrem Anliegen passen könnte.



